Nathalie Burkert aus Viernheim berichtet von ihren Erfahrungen bei „Jugend und Parlament“
Nathalie Burkert zusammen mit Christine Lambrecht vor dem Reichstagsgebäude

Bundestagsmandat für vier Tage: Nachwuchspolitiker simulieren bei Jugend und Parlament die Gesetzgebung

Viernheim/Berlin, Juni 2016 – Vom 4. bis 7. Juni 2016 fand im Deutschen Bundestag die Veranstaltung „Jugend und Parlament“ statt. Rund 300 Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet, die von Mitgliedern des Deutschen Bundestags nominiert wurden, stellten in einem Planspiel das parlamentarische Verfahren nach. Für die Bergstraße mit dabei war Nathalie Burkert aus Viernheim, die auf Nominierung der Ersten Parlamentarischen Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion und Bergsträßer Bundestagsabgeordneten Christine Lambrecht an dem Planspiel in Berlin teilnahm und hier nun von ihren Erfahrungen berichtet:

„Politikverdrossenheit und persönliche Ferne sind derzeit so aktuell wie nie zuvor. Vor allem dem jüngeren Teil unserer Gesellschaft fällt es immerzu schwerer, sich für Politik zu interessieren und sich intensiver mit ihr auseinanderzusetzen.

Die Bundesregierung versucht mit attraktiven Angeboten jungen Menschen zu zeigen, dass Politik viel dynamischer und interessanter sein kann, als viele Jugendliche es meinen. Mir selbst bot sich dieses Jahr die Möglichkeit an dem Planspiel „Jugend und Parlament“ teilzunehmen. Dies ist eine Initiative des Bundes, jungen Politikinteressierten einen Einblick in die Aufgaben einer/s Abgeordneten zu gewähren. Vier Tage lang konnte ich zusammen mit 300 anderen Jugendlichen im Alter von 16-20 Jahren mit einem Pseudonym in die Rolle eines Abgeordneten schlüpfen und im Bundestag einen „normalen“ Arbeitsalltag eines Abgeordneten nachempfinden.

Zu Beginn dieser Veranstaltung wurde ein selbstgewählter Name für einen Abgeordneten einer fiktiven Partei zugeordnet. Diese Parteien entsprechen aber in ihren zentral vertretenen Werten und Ausrichtungen den jeweiligen Regierungs- und Oppositionsparteien- CDU, SPD, Bündnis 90/Grüne und Linke an. Da ich selbst 2. Vorsitzende bei den Jusos Viernheim bin, konnte ich mich persönlich am besten mit der fiktiven APD (Arbeitnehmerpartei Deutschland) identifizieren. Doch im Rahmen dieses Planspiels wurde ich der „CVP – Christliche Volkspartei“ zugeteilt, dementsprechend sollte ich die Argumente und Werte der CDU vertreten. Dies stellte für mich persönlich zwar eine gewisse Herausforderung dar, gewährte mir aber interessante Einblicke und ermöglichte mir einen Perspektivwechsel, der sehr erfrischend war. Ich freute mich sogar über diese Zuteilung, da ich womöglich so die größere Bandbreite an neuen Argumenten und Ideen kennenlernte. Unter diesen Umständen konnten sich auch die eigenen politischen Meinungen an gegebener Stelle festigen, wohingegen sie an anderen Stellen aus einem anderen Licht betrachtet werden konnte.

Im Rahmen dieses Planspiels wurden vier fiktive Gesetzesgrundlagen und Anträge beschlossen, die in den jeweiligen Ausschüssen, die ebenfalls zu Beginn der Veranstaltung zugeteilt wurden, bearbeitet werden mussten. Diese beschäftigten sich mit der Änderung einer Gesetzesgrundlage zum Thema Umweltschutz, eine Entscheidung über einen Bundeswehreinsatz in einem fiktiven Land in Afrika, die Erweiterung der Verfassung um Elemente der direkten Demokratie, sowie die Festsetzung von Deutsch als Landessprache. Ich wurde dem Verteidigungszuschuss zugeteilt und musste dementsprechend einen Antrag der Bundesregierung über einen Bundeswehreinsatz bearbeiten. Dabei stellte sich die interfraktionelle Arbeit bereits als große Schwierigkeit heraus und viele Debatten und Überzeugungsarbeit musste geleistet werden. Wie die „echten“ Abgeordneten, tagten wir in den Ausschuss- und Fraktionsräumen. Eine Erfahrung, die einen persönlich auch voranbringt.

Mir selbst haben vor allem die Debatten gezeigt, wie schwer die eigenen Überzeugungen oftmals durchzusetzen sind und gleichzeitig auch zahlreiche Argumente diskutiert werden, die die eigene Meinung beeinflussen und ins Schwanken bringen können. Immer wieder beriefen sich alle Entscheidungen auf Kompromissen, die gefunden wurden, da eine anderweitige Lösung nicht möglich war. Doch als Abgeordneter, trotz dieser kurzen Zeitspanne, hatte man sich daran schnell gewöhnt.

Jeder von uns lernte, was es bedeutet Politik zu betreiben. Trotz kommunaler Erfahrungen bemerkte ich schnell, dass hier ein großer Graben existiert und die Arbeit als Abgeordneter ein immenses Maß an Überzeugungskraft erfordert. In einem persönlichen Gespräch mit den Abgeordneten, die einen für die Teilnahme nominiert hatten, konnte man sich darüber hinaus über die bereits gemachten Erfahrungen austauschen und erfahren, dass wir von dem Abgeordnetendasein nur einen Bruchteil kennenlernen konnten.

Das Fazit ist somit klar, neben interessanten Debatten, die viel Geduld und Durchsetzungsvermögen herausforderten, bietet dieses Planspiel eine mehr als gelungene Möglichkeit zu verstehen, wie Politik als Beruf aussehen kann. Und wer möchte schon die Gelegenheit missen, einmal selbst politische Debatten im Bundestag zu führen?“

Foto: Das Bild zeigt Nathalie Burkert zusammen mit Christine Lambrecht vor dem Reichstagsgebäude. 

Termine

Aug. 17 Fre

14.30 Uhr Geschäftsführender Bezirksvorstand SPD Hessen-Süd, SPD-Parteihaus, Frankfurt 

16.00 Uhr Bezirksvorstand SPD Hessen-Süd, SPD-Parteihaus, Frankfurt 

Aug. 17 Fre

Frankfurt am Main, Fischerfeldstr.7

Aug. 17 Fre

Bensheim, Rodensteinerstr.

Aug. 18 Sam

11 Uhr Kreisfest der SPD Bergstraße, Viernheim 

Aug. 18 Sam

Viernheim, Feierabendhalle im Vogelpark

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