Lambrecht: „Hier steht der Mensch im Mittelpunkt“
Christine Lambrecht bei der AWO

Christine Lambrecht besucht AWO Sozialstation in Bensheim

Bensheim, 10. November 2016 – Bei einem Besuch der AWO Sozialstation in Bensheim hat sich die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD Bundestagsfraktion und Bergsträßer Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht über die Einrichtung informiert und über die Auswirkungen der zahlreichen Reformen in der Pflege diskutiert. An dem Gespräch nahmen seitens der AWO Hessen-Süd die Fachbereichsleiterin für den Bereich Senioren Saadet Sen, die AWO-Einrichtungsleiterin Tanja Eichelbaum und der Pressesprecher Swen Klingelhöfer teil.

Zum Jahreswechsel ändert sich einiges in der Pflege: Das Pflegestärkungsgesetz II und die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs kommen. Menschen mit kognitiven Erkrankungen, wie Alzheimer oder Demenz, haben künftig im gleichen Maße Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung, wie Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Seitens der AWO wird die Reformen grundsätzlich begrüßt, zugleich aber auch Bedenken geäußert: „Grundsätzlich sind das Schritte in die richtige Richtung. Wir können aber erst in einigen Monaten sagen, ob sich der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und die Einstufung in die neuen Pflegegrade in der Praxis bewährt haben“, erklärte AWO-Betriebsleiterin Tanja Eichelbaum.

Die im Rahmen der Reformen geschaffene Möglichkeit, in voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen zusätzliche Betreuungskräfte einzustellen wurde seitens Sen begrüßt. Allerdings forderte Sen mehr Flexibilität beim Einsatz der Betreuungskräfte, ohne dass diese Pflegeaufgaben im eigentlichen Sinne übernehmen sollten. „Betreuungskräfte dürfen mit den Senioren zusammen kochen, aber beim gemeinsamen Essen muss man auf die Pflegekraft warten. Das ist in unseren Augen etwas überreguliert“, so AWO-Fachbereichsleiterin Saadet Sen. Lambrecht versprach diesen Zwiespalt in die politische Debatte mitzunehmen.

Sen äußerte Bedenken, was die Zukunft des Pflegeberufs anbelangt. Anlass ist das Pflegeberufsgesetz, welches in der Diskussion beim Bundesgesetzgeber ist. Sen forderte: „Die Pflege insgesamt braucht eine bessere Personalausstattung, aber auch der Pflegeberuf muss attraktiver werden. Oft fehlt es an gesellschaftlicher Anerkennung für die tagtägliche Leistung der Pflegekräfte“, so Sen. Die derzeitigen Reformanstrengungen im Deutschen Bundestag helfen hier nach Einschätzung der AWO nicht umfassend.

Die Philosophie der AWO fasste Swen Klingelhöfer mit den Worten: „Die AWO ist ein wertegetragener Verband und das leben wir im Arbeitsalltag“ zusammen. Wie das in der Praxis aussieht, davon konnte Lambrecht sich beim Rundgang durch die Sozialstation in Bensheim überzeugen. In der Altenpflegeeinrichtung in Bensheim, die eine von 17 Einrichtungen der AWO Hessen-Süd ist, leben 151 pflegebedürftige Menschen.

„Für unsere Bewohner mit demenziellen Erkrankungen haben wir zwei besondere Wohneinheiten mit einer besonders hohen pflegerischen Betreuung geschaffen. Hier unterstützen wir bei der Schaffung einer festen Alltagsstruktur. Wir beteiligen unsere zumeist weiblichen Bewohner an praktischen Tätigkeiten wie Kochen oder Backen“, erläutert Eichelbaum. „Das funktioniert in der Regel sehr gut“. Neben diesem speziellen Angebot bieten auch die vier besonders ausgebildeten Therapiehunde eine willkommene Abwechslung. Auch mit Bingo-, Strick- und Skatabenden versucht die Einrichtung den Bewohnerinnen und Bewohnern besondere Angebote zu machen. Im Keller entsteht gerade eine eigene Holzwerkstatt, ein Projekt auf das die Betriebsleiterin Eichelbaum besonders stolz ist. Auch Interessierte aus der Nachbarschaft sollen das Angebot nutzen können. „Wir stärken dadurch unsere Vernetzung mit der Nachbarschaft und der Stadtgesellschaft“, erklärte Eichelbaum.

Auf eine Besonderheit wies die AWO-Fachbereichsleiterin Sen noch hin: „Seit einigen Jahren haben wir einen Südhessen-weiten AWO Springer-Pool. Fallen Fachkräfte durch Krankheit aus, können wir schnell Ersatz schicken ohne Leiharbeitsfirmen anzufragen. In unserem Springerpool werden die flexiblen Fachkräfte, wie auch alle anderen bei der AWO nach Tarif bezahlt und identifizieren sich mit den Werten der AWO, kennen unsere Arbeitsweisen und unser Qualitäts- und Dokumentationsmanagement. Das ist uns wichtig und damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, erklärte Sen.

Nach dem Rundgang lobte Lambrecht die engagierte Arbeit in der Einrichtung. „Hier steht wirklich der Mensch im Mittelpunkt, sei es als pflegebedürftiger Mensch oder Mitarbeiter“, so Lambrecht. Sie kündigte an, sich in ein paar Monaten erneut vor Ort über die weitere Umsetzung der Pflegereformen informieren zu wollen.

Bildunterschrift: Ein besonderes Angebot bei der AWO sind speziell ausgebildete Hunde, die therapeutisch eingesetzt werden. Wohnbereichsleiterin Jessica Asbar (r.) informierte die Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht (2.v.l.) zusammen mit AWO-Fachbereichsleiterin Saadet Sen (l.) und AWO-Betriebsleiterin Tanja Eichelbaum (2.v.r.) über die Vorteile. 

Quelle Bild:
Swen Klingelhöfer

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