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Heutzutage wird viel über Generationengerechtigkeit diskutiert. In den Parteien, vor allem den Bundestagsfraktionen formieren sich die Jungen. Sie gehören auch zu den jungen Abgeordneten. Haben Sie Sich auch solch einem Zirkel angeschlossen?
Ich mache Politik nicht mit der Geburtsurkunde. Natürlich dürfen wir heute nicht die Ressourcen der Generation von morgen verbrauchen. Aber wenn wir Geld in die Hand nehmen, um die Kinderbetreuung auszubauen oder das Bildungssystem zu verbessern, sind das Investitionen genau für diese zukünftigen Generationen.
Mit dem Begriff Generationengerechtigkeit habe ich so meine Probleme. Er unterstellt, es gebe eine Gerechtigkeitslücke zwischen den Generationen. Ich halte diesen Ansatz für falsch. Es kommt auf die Solidarität zwischen den Generationen an. Die heutige Rentnergeneration hat vieles aufgebaut, von dem wir heute profitieren. Das dürfen wir nicht vergessen. Wenn ich da so manchen selbsternannten Jungpolitiker höre, frage ich mich schon, ob er eigentlich weiß, was da für harte Arbeit geleistet wurde. Für mich verläuft die Grenze in der Gesellschaft nicht zwischen den Generationen, sondern zwischen Arm und Reich. Diese Kluft müssen wir überwinden und nicht die verschiedenen Altersgruppen gegeneinander ausspielen.
Es gibt andere junge SPD-Abgeordnete, die das genauso sehen. Wir haben die „SPD-Denkfabrik“ gegründet, weil wir unsere Sicht in die Diskussion bringen und anderen das Monopol für die „junge Generation“ zu sprechen streitig machen wollen.
Was tun Sie in den sitzungsfreien Wochen?
Da arbeite ich im Wahlkreis. Ich bearbeite Fragen. die Bürgerinnen und Bürger an mich herangetragen haben und besuche Betriebe und Vereine oder halte Kontakt zu den Journalisten im Kreis. Alleine bei rund 1.400 Vereinen im Kreis ist da ganz schön was zu tun. Natürlich gehe ich auch in die SPD Ortsvereine und referiere über die Bundespolitik.
Gibt es da mal ein freies Wochenende?
Eigentlich fast nie. Gerade Vereinsjubiläen oder Kerwen liegen natürlich immer am Wochenende. Meistens habe ich pro Tag rund 4 oder 5 Termine am Wochenende. Ich fahre dann kreuz und quer durch den Kreis. Da ich nicht einfach nur mal kurz „Hallo“ sagen möchte, sondern mich mit den Menschen unterhalten will und auch oft ein Grußwort halte, ist das sehr zeitaufwendig. Aber natürlich macht es auch Spaß. Manchmal esse ich auch wie jeder andere meine Bratwurst und amüsiere mich.
Das einzige was keinen Spaß macht, ist daß man hin und wieder einen Termin einfach nicht unterkriegt und absagen muss. Dann sind die Leute enttäuscht und das ist dann schade. Aber zerreißen kann ich mich auch nicht.
Kommen wir zurück zu der Person Christine Lambrecht. Hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie im Bundestag sind?
(lacht) Allerdings, und wie. Als ich das erste Mal in den Bundestag gewählt wurde, war ich allein stehend und unabhängig. Heute habe ich einen vierjährigen Sohn und lebe in einer festen Partnerschaft mit dem Vater meines Sohnes.
Ein Kind als Bundestagsabgeordnete? Ist das überhaupt zu schaffen?
Na klar. Mein Lebenspartner ist auch Bundestagsabgeordneter. Alexander geht in die Kita und Abends müssen wir unsere Termine eben so abstimmen, dass einer sich um das Kind kümmern kann. In Viernheim greifen mir auch meine Eltern unter die Arme. Man lernt sich seine Zeit genau einzuteilen und die Zeit, die man miteinander hat, intensiver zu nutzen.
Das alles fordert viel Organisationstalent, aber wenn sich alle ihrer Verantwortung bewusst sind, klappt das auch.
Ist es für Alexander nicht merkwürdig, im Politik-Betrieb aufzuwachsen?
Für ihn ist das völlig normal. Er sieht das ja auch nicht so, wie wir. Für ihn ist der Bundeskanzler ein ganz normaler Mann, der Gerhard eben, der immer seine Späße mit ihm macht, wenn er ihn sieht. Von Franz Müntefering ist er ein richtiger Fan. Den hat er irgendwie in sein Herz geschlossen. Ich glaube, der Franz mag ihn aber auch.
Was macht Christine Lambrecht, wenn sie gerade nicht politisch unterwegs ist?
Ich lese gerne. Zum Beispiel die Krimis mit dem genialen Gentleman-Detektiv und Zyniker Lord Peter Wimsey von Dorothy Sayers. Ich gestehe auch, dass ich auf langen Autofahrten mit Begeisterung die Harry-Potter Hörbücher mit Rufus Beck als Vorleser höre. Ich koche gern. Meine Kartoffelsuppe ist seit dem letzten Wahlkampf weit über meinen Verwandten- und Bekanntenkreis hinaus bekannt. Mit Alexander gehe ich gerne schwimmen oder zum Kinderturnen. Na ja und ein gutes Glas Rotwein zur rechten Zeit mag ich auch – vor allem von der Bergstraße natürlich.
Das klingt alles so normal. Keine Extravaganzen?
Ganz ehrlich, wenn man einen Beruf hat wie ich, wo man viel rum kommt und oft in guten Restaurants oder Hotels ist, die man gar nicht richtig genießen kann, weil man ständig gefordert ist, da ist so ein Abend im Jogging-Anzug zu Hause auf der Couch mit einer Pizza vom Lieferservice und einem guten Film oder guten Buch manchmal wie ein Fest.
Zum Schluss: Was wünschen Sie Sich für die Zukunft?
Das es meiner Familie und mir weiter gut geht und wir noch viel zusammen aufbauen.
Karrierepläne?
Alles zu seiner Zeit. Vor allem: Nicht drüber reden sondern machen.
Frau Lambrecht, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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