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Christine Lambrecht über ihre Arbeit als Bundestagsabgeordnete und einen englischen Gentleman-Detektiv
Frau Lambrecht, Sie sind seit 1998 Bundestagsabgeordnete. Wenn Sie diese Zeit in einem Satz beschreiben sollten, wie würde dieser Satz lauten?
Wir haben viel bewegt und ich habe meinen Teil dazu beigetragen.
Wie wurden Sie Bundestagsabgeordnete?
Ich habe mich früh für die Dinge interessiert, die um mich herum geschehen. Ob in der Schule, zu Hause oder in Stadt und Kreis, es gab Dinge die ich gut fand und Dinge, die mich geärgert haben. Ich habe sehr früh begriffen, dass man den Mund aufmachen muss, dass man sich einsetzen muss, wenn man etwas erreichen will. Man darf das nicht den anderen überlassen und sich dann hinstellen und meckern.
Mit 16 bin ich dann in die SPD eingetreten.
Warum ausgerechnet in die SPD?
Christine Lambrecht: Das war für mich folgerichtig. Ich habe mich sehr für Geschichte interessiert. Vor allem mit dem Nationalsozialismus und dem antifaschistischen Widerstand habe ich mich beschäftigt. Ich habe viele alte Sozialdemokraten kennen gelernt, die diese Zeit noch erlebt haben. Außerdem hat mich der Widerstand gegen die Rüstungspolitik der Kohl-Regierung sehr bewegt. Die SPD begann in dieser Phase gerade, sich der Friedensbewegung anzunähern und die SPD in Hessen-Süd war dabei immer etwas schneller als die Bundes-SPD. Viele aus der Viernheimer SPD haben uns und unsere politischen Ideen unterstützt und so war es ein konsequenter Schritt, in die SPD einzutreten.
Dazu kam, dass ich als Viernheimerin das Atomkraftwerk Biblis direkt vor der Nase habe. Schon vor der Katastrophe in Tschernobyl war klar, dass die Atomenergie hoch gefährlich ist und auch nicht als Energieform der Zukunft taugt. Hier gab es eine starke Bewegung gegen die Kernenergie. Auch die hat mich sehr geprägt.
Zurück zur SPD. Zu dem Zeitpunkt, an dem Sie eingetreten sind, haben sich doch gerade viele junge Menschen von der SPD abgekehrt. Mit den Grünen war eine neue Partei entstanden, die gerade für Junge attraktiv war. Warum die SPD?
Neben den oben genannten Gründen gab es zwei, die für mich die SPD attraktiver gemacht haben – und vor allem heute machen. Zum einen vollzog die SPD nach der Schmidt-Ära einen tief greifenden Wandel in ihren Positionen. Sie öffnete sich den neuen Bewegungen, wie der Friedens- und Anti-Atombewegung. Dieser Wandel wurde vor allem von den Jungsozialisten und der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen getragen. Es war täglich zu erleben: in der SPD kannst Du was bewegen.
Der zweite – noch wichtigere – Grund war für mich, dass die SPD die Partei der arbeitenden Menschen war und ist. Arbeitnehmerrechte, Schaffung von Arbeitsplätzen, gewerkschaftliche Interessenvertretung und die Einschränkung wirtschaftlicher Macht, dass waren Themen die für mich wichtig waren und sind. Für mich war immer klar, dass in der Gesellschaft in der wir leben, die ganz überwiegende Zahl der Menschen von ihrer Hände und ihrer Köpfe Arbeit leben und das die Gesellschaft nur funktioniert, wenn diese Menschen ihren verdienten Anteil am gesellschaftlichen Wohlstand haben. Das war eine Einstellung, die die Grünen damals spießig fanden und auch heute habe ich manchmal den Eindruck, dass das bei ihnen nicht unbedingt allgemeine Überzeugung ist.
Wie sind Sie Bundestagsabgeordnete geworden?
Ich hab früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen und ich habe von der SPD auch früh Verantwortung übertragen bekommen. Ich war Stadtverordnete, saß im Kreistag, wurde Stadtverordnetenvorsteherin und bin bis heute stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin in Viernheim. Als dann die Direktkandidatur für den Bundestag in der Bergsträßer SPD neu zu vergeben war, habe ich, wie man so schön sagt, meinen Hut in den Ring geworfen. Es gab einen innerparteilichen Gegenkandidaten, gegen den ich mich in einer Stichwahl auf dem Unterbezirksparteitag durchgesetzt habe. Die SPD-Bergstraße hatte mich damit zu ihrer Direktkandidatin zur Bundestagswahl aufgestellt. Dann begann der eigentliche Bundestagswahlkampf und ich konnte zum ersten Mal seit 1980 den Kreis wieder für die SPD gewinnen und zog 1998 in den Bundestag ein. Ich bin sehr stolz darauf, dass mir die Menschen damals wie auch 2002 ihr Vertrauen geschenkt haben.
Es war natürlich ein Glücksfall, dass wir 1998 auch die Regierung übernommen haben und ich von Anfang an daran mitarbeiten konnte, die Politik der rot-grünen Bundesregierung mitzugestalten.
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